Lederfresse

von Helmut Krausser

Horrorfilme greifen ein ins unergründete Reich des Unterbewußten. Sie machen Mut, locken versteckte Gedanken und Sehnsüchte des disziplinierten und in Konventionen erstarrten Betrachters hervor. "Lederfresse", inspiriert durch den Film "The texas chain saw massacre", ist Helmut Kraussers erstes Theaterstück und gilt als als eines der erfolgreichsten Debüts des jungen deutschen Theaters. Das Stück erzählt eine nicht gewöhnliche Nacht aus dem Leben eines eigentlich doch gewöhnlichen Pärchens. Der junge Mann sucht den Ausbruch aus dem Normalen und bereitet sich sorgsam auf die Imitation seiner Filmikone "Leatherface" vor. Ein Spiel, ein Kick für ihn allein. Alles ist perfekt, wäre da nicht die zu früh heimkehrende Freundin, die ihren Job als Kellnerin verloren hat. Sie ist entsetzt, ein Nachbar alarmiert die Polizei und das Räderwerk der Normalität klopft an die Tür der Intimität des jungen Paares.

 

"Lederfresse behandelt mein Lieblingsthema: die chronischen Angstzustände der aus den Fugen brechenden Westwelt, die daraus entstehenden Masken und Mutationen, die völlige Aufhebung der Wirklichkeit in der Simulation. Das Tier unterscheidet sich vom Menschen durch die Fähigkeit zur Ehrlichkeit." – äußert sich der Autor zum Stück.

Die beiden Figuren des Stückes leiden unter allen möglichen Angstzuständen, die aus der heutigen Welt nur resultieren können. Existenzielle Probleme, Schwierigkeiten, einen sicheren materiellen Hintergrund zu schaffen, noch dazu die Aussichtslosigkeit, sich daneben zu verwirklichen, verbittern ihren Alltag. Medien und Filme vermitteln daneben auch ein brutales Bild über die Gesellschaft, in der sie leben. Diese Gesellschaft nicht zu beachten wäre für sie nur naive Flucht und Selbsttäuschung. In dieser gnadenlosen Welt, in der nur die physische oder finanzielle Stärke das Sagen haben kann, scheint jegliche Freiheit eingeschränkt zu sein. Und all diese Frust beschattet auch ständig ihre Beziehung.

Lederfresse reflektiert auf alle Mitglieder dieser Gesellschaft, die nicht fähig sind, ihre Ängste zu bewältigen, und denen in ihrer Aussichtslosigkeit nichts weiter übrig bleibt, als weiter zu träumen, sei es, dass man endlich anerkannt wird, dass man aufhört zu trinken, oder dass man wenigstens einmal zu den Raub- und nicht zu den Beutetieren gehört.

 

Regie: Caroline Richards

Es spielen: Melanie Arnezeder, Bálint Walter

Eine Produktion des Theatervereins Janus

 

15. März 2013

Beginn 20h

 

Die Aufführung am 16. März 2013 wird aus organisatorischen Gründen leider abgesagt! Wir danken für ihr Verständnis!

 


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