Vor dem Ruhestand - Eine Komödie von deutscher Seele

von Thomas Bernhard - eine Koproduktion mit dem Landestheater Salzburg

 

Rudolf Höller, ein ehemaliger SS-Offizier, der als stellvertretender Kommandant eines Konzentrationslagers Häftlinge erschoss, graut es vor dem Ruhestand. Nach Kriegsende wurde er von seiner Schwester Vera zehn Jahre im Keller versteckt, bis die politische Restauration sein Auftauchen und eine Karriere als Gerichtspräsident und Abgeordneter zuließen. Mit Vera verbindet Höller ein inzestuöses Verhältnis, die jüngere, nahezu stumme Schwester Clara ist seit einem angloamerikanischen Bombenangriff an den Rollstuhl gefesselt und ein wehrloses Opfer der menschenverachtenden Phantasien ihrer Geschwister. 
Thomas Bernhard schildert in schmerzlicher Zuspitzung das Fortleben des Faschismus in den Seelen seiner demokratischen Mitbürger. Dieses Stück war ein Skandal und erinnert daran, dass Bernhard die politische Normalität seines Landes als skandalös empfand. Dafür stellte er die österreichische Welt vom Kopf auf die Füße und zeigt Mörder, die sich als Opfer fühlen – es ist sein unheimlichstes Stück, vielleicht sein Bestes.

 

Der Blick auf Bernhards Werk hat sich stark geändert: Als der Heldenplatz zum Skandal wurde, war Österreich geprägt von der Waldheim-Affäre und stand am Beginn der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Am saturierten Bürgertum, das sich selbst genügte und die eigene nationalsozialistische Vergangenheit verdrängte, rieb er sich auf. Seine messerscharfen gesellschaftlichen Analysen wurden vom Feuilleton gefeiert, und sie spalteten die Nation. Mit pointierten Übertreibungen und groteskem Humor hielt er Österreich den Spiegel vor - und erntete dafür den Hass des Boulevards.  

Heute löst Bernhard keinen Skandal mehr aus, es wird sehr viel mehr die literarische Bedeutung wahrgenommen“. Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek fasste es einmal so zusammen: „Er ist das Maß der österreichischen Literatur. Keiner wird je mit ihm mithalten können.“

Im Umfeld der damals in Deutschland stattfindenden Diskussion um den Marinerichter und späteren Minis ter­präsidenten Hans Karl Filbinger schrieb Bernhard "Vor dem Ruhestand - Eine Komödie von deutscher Seele", in dem er nach den tiefliegenden Ursachen für das Fortbestehen von faschistischem Denken sucht. Er findet sie im Alltag. Mit ungeheurer poetischer Kraft gelingt es ihm, das Grauen im banalen Gespräch zum Vorschein zu bringen, wobei die Zuspitzung zu einem kaum glaubhaften Irrsinn tatsächlich von der Realität nicht weit entfernt ist. Es geht auch um die gegenwärtige Realität, denn es scheint, als wäre das Beckettsche Warten der Figuren auf eine Zeit, in der man Himmlers Geburtstag wieder öffentlich feiern darf, doch nicht absurd.

In der Koproduktion des Salzburger Landestheater mit dem Stadttheater Bruneck konnte für die Rolle des ehemaligen SS-Offiziers Rudolf Höller der bekannte Schauspieler und ehemaligen Generalintendant des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, Pavel Fieber gewonnen werden.

In den Rollen der Schwestern Vera und Clara, sind die nicht minder bekannten Schauspielerinnen Alexandra Tichy und Britta Bayer zu sehn.

 

Regie: Claus Tröger

Ausstattung: Klaus Gasperi

Dramaturgie: Astrid Großgasteiger

Es spielen: Alexandra Tichy, Britta Bayer, Pavel Fieber

 

Premiere Landestheater Salzburg: 6. Oktober 2011

Premiere Stadttheater Bruneck: 9. März 2012

Weitere Termine: 11./14./15./16./17./18. März 2012

 

Beginn 20h - Sonntag 18h


 
Demnächst im Stadttheater
Theater Kabarett, Film & Literatur
Jazz & Co Kids & Jugend
Fr
9 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
So
11 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
Mi
14 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
Do
15 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
Fr
16 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
Sa
17 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info
So
18 Mrz
Vor dem Ruhestand
von Thomas Bernhard
Ticket Info